_ASIL CLUB E.V.
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_Gründe für die Gründung des Asil Clubs
Als höfliche Menschen haben wir uns damit begnügt, in unseren bisherigen Dokumentationen Asil Araber, Arabiens edle Pferde, Bände I-IV, die Vorzüge der asilen Araber herauszustellen, d.h. wir haben darauf verzichtet, die Fremdblutanteile beim polnischen Araber eigens zu erwähnen. Wir haben darauf verzichtet, klar zu sagen: über 98% der von der WAHO (World Arabian Horse Organization) anerkannten Pferde führen diese polnischen oder andere Fremdblutanteile. Sie erfüllen damit nicht die Bedingungen, die wir, wie früher die Beduinen und bis vor kurzem alle Vollblutaraberzüchter selbst, an die Abstammung eines Vollblutarabers geknüpft haben: sie müssen in allen Vorfahrengenerationen auf die Beduinenzucht der arabischen Halbinsel zurückgehen (vgl. die Definition des Asil Clubs e.V., S. 657). Wir haben nicht eigens betont, daß der völlige Untergang der restlichen ca. 2% der authentischen Vollblutaraber drohte, und daß diese dramatische Situation der Anlaß für die Gründung des Asil Clubs war. Da international der Begriff Vollblutaraber bzw. pure-bred für alle Vollblutaraberpferde beibehalten wurde, haben wir zur Unterscheidung den arabischen Terminus „asil“ gewählt, um so die verbliebene Gruppe der authentischen Vollblutaraber kenntlich zu machen. Die wahren Gründe zu schildern, diesen Part hatten wir den Publikationen von Guttmann/Klynstra, von Klynstra sowie Schiele, Uppenborn und den Artikeln und Vorträgen des Vorsitzenden überlassen, nicht zuletzt auch dem Präsidenten der WAHO selbst.

Zwar waren für Kenner der Szene unsere Aussagen in den Dokumentationen Asil Araber/Asil Arabians I-III verständlich, auch für viele unserer arabischen Freunde. Aber trotz der ständigen Kontakte mit den Equestrian Clubs der arabischen Halbinsel blieb eines nicht aus: es wurden auch von einzelnen Züchtern nicht asile Araberpferde importiert in der Überzeugung, ein Vollblutaraber müsse zwangsläufig asil sein. Im Vertrauen auf die Dokumente mit den ausführlichen Pedigrees für Vollblutaraber, ausgestellt vom jeweiligen nationalen Stutbuch und dieses wiederum akzeptiert von der WAHO, sind nicht wenige in der Absicht, mit ihren Pferden im Asil Club aufgenommen zu werden, gescheitert. Die Betroffenen sind bitter enttäuscht und sparen nicht mit ihrer Kritik an den Verursachern solchen Mißgeschicks.

Unsere arabischen Freunde übersetzen die Worte pure-bred bzw. Vollblutaraber mit asil, und sie sind verständlicherweise darüber entsetzt, wenn ein Vollblutaraber nicht auch gleichzeitig ein vom Asil Club anerkannter Asil Araber ist. Wir haben es erlebt, daß in den Golfstaaten auf der Rennbahn oder auf den Schauveranstaltungen offiziell sogenannte Vollblutaraber im guten Glauben vorgestellt werden als al-hail al-’arabia al-asila, also als Asil Araber. Unter den Leidtragenden befinden sich vermehrt auch arabische Persönlichkeiten, die schon vor Jahren unsere Dokumentation ASIL ARABER erworben hatten.

Victor Adam, Alexander (Etalon), Cheval de la Crimée
Die Vorwürfe, denen wir ausgesetzt waren und die wir uns für die Publikation von Band IV sehr zu Herzen genommen haben, gipfelten in der Frage, warum wir denn in unserer Dokumentation, dem von B. Schirg als „schönstes Stutbuch aller Zeiten“ apostrophierten Werk, nicht auch eindeutig den ursprünglichen Anlaß für unsere Aktivitäten geschildert haben. Schießlich hätten wir so viele bedeutende Hippologen, Araberexperten und Ethnologen zitiert, die ganze Palette der Vorzüge illustriert und verdeutlicht, nicht zuletzt durch die überzeugende Arbeit von Prof. Dr. Dr. F. Bakels, Der Asil Araber im Lichte neuer genetischer Erkenntnisse, Hildesheim 1980. Daß diese Vorzüge in erster Linie beim Asil Araber zu finden sind, habe man durchaus begriffen. Daß sich aber diese Asil Araber unterscheiden von den Vollblutarabern anderer Blutlinien „wie lupenreine Diamanten gegenüber solchen mit Einschlüssen“ (Abdullah Al-Bassam), hätten wir unterschlagen.

Warum hätten wir denn die Hauptsache – daß Asil Araber in dem „Meer der Mischblütigkeit“ (Wenzler) selten sind – nicht auch durch entsprechende Darlegungen und Zitate angemessen herausgestellt?
So sei der Bericht von Erika Schiele der beste Beweis dafür, daß im umgekehrten Falle – angenommen, die asilen Vollblutaraber wären in der Mehrzahl und die polnischen in der Minderzahl – letzteren der Status eines Vollblutarabers mit eherner Konsequenz aberkannt worden wäre:

„Maßgebliche Herren des deutschen Araberverbandes entdeckten bei späteren Nachforschungen einen kleinen Webfehler in dem Stammbaum der Nigra-Zscheiplitz, und zwar sieben Generationen zurück über ihren Vater Mazud. Mit großem Mut und anerkennenswerter Korrektheit veranlaßten sie, daß die Stute mit all ihren Nachkommen aus dem Register für arabisches Vollblut gestrichen und als Araberrasse erklärt wurde. So bewundernswert ein solches Vorgehen ist, so bedauerlich ist es, daß die Herren ihre wertvollen Untersuchungen nicht auf andere Vollblutaraber ausgedehnt haben. Dann wäre Nigra-Zscheiplitz nicht so einsam bei der Vertreibung aus dem Paradies gewesen, sondern in einer stattlichen Schar über seine Schwelle galoppiert.“

E. Schiele (in: Araber in Europa, München, 1967)

Selbst einer der herausragenden europäischen Hippologen, Autor des Standardwerks „Pferdezucht und Pferdehaltung” und Landstallmeister seines Zeichens, habe sich schließlich wie folgt geäußert:

„Diese Ahnentafeln beweisen eindeutig, daß man hier keineswegs mit Recht von einer arabischen Zucht im wahrsten Sinne des Wortes sprechen kann und daß gegenwärtig weder Originalaraber noch europäische Reinbluthengste in Polen verwendet werden. Es wird vollständig auf eigener Blutbasis gezüchtet.“

Landstallmeister Dr. W. Uppenborn (in: Equipe 1970)

Drastisch haben es schließlich Journalisten formuliert, so in der Ausgabe von GEO:

„Wie es sich herausstellte, war der Skowronek überhaupt kein reiner Araber, sondern nichts als ein Halbblut aus vier verschiedenen Pferdeschlägen mit arabischem Anteil. Die Potockis hatten Reinrassigkeit wider besseres Wissen vorgetäuscht. Mit diesem Halbblut-Material wurden nun Nachkommen von Zuchten aus den hervorragendsten reinrassigen Wüsten-Arabern gekreuzt, die seit dem 18. Jahrhundert in Amerika existierten.
Ohne den Skowronek und die anderen östlichen …araber* – die heimtückisch in die Reihen der Asilen eingeschleust wurden, und sie verdarben wie Wasser den Wein – gäbe es mehr von ihnen.“ 

W. Schraps, (in: GEO Nr. 4, 1982)

*[wird aus Gründen der Höflichkeit hier nicht vollständig zitiert] 

Wir bitten um Nachsicht, daß wir die Palette der Argumente nicht im vollen Umfang zur Geltung gebracht hatten. Wenn wir jetzt Besserung geloben, so beginnen wir damit, daß wir den Biologen, Dr. F. B. Klynstra in den entscheidenden Passagen seiner in vier Sprachen erschienen Ausgabe von „Wüstenadel“ zu Wort kommen lassen:

"Bezeichnend für solche Vorgänge dürfte die polnische Araberzucht vor 1930 sein. In dem Buch THE LINEAGE OF THE POLISH ARABIAN HORSES/DIE ABSTAMMUNG DER POLNISCHEN ARABER von GUTTMANN und KLYNSTRA werden die Blutlinien der polnischen Vollblutaraberpferde analysiert bis zur zwölften Generation. Während der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts wurde dieser Stamm aus polnischen Landpferden und starken arabischen Blutanteilen gezüchtet. Außer diesen beiden Rassen finden wir in den Stammbäumen aus dieser Periode auch Englisches Vollblut, Turkmenen und Perser und viele Pferde unbekannter Herkunft. Obwohl viele arabische Wüstenpferde in der Zucht eingesetzt wurden, bleibt die Tatsache, daß in dieser „Vollblutzucht“ häufig Halbblut-Araber und Halbblut-Angloaraber miteinander gekreuzt wurden. Für Zweifler wird das genaue Studium der Pedigrees empfohlen, die in dem oben genannten Werk veröffentlicht sind.
Der bekannte „Vollblut“-Araberhengst Dardziling (1903) ist ein schönes Beispiel dafür, wie damals in Polen „Vollblutaraber“ gezüchtet wurden. Dieser Hengst führte etwa 90% nachweisbares arabisches Blut. Es sind aus dieser Periode auch polnische „Vollblutaraber“ bekannt, die weit weniger nachweisbares arabisches Blut hatten, wie z.B. Arabella (1898), die Großmutter von Adamas (1930) und von Arabeska (1931). Bei dieser Stute war nur 37,5 % nachweisbares arabisches Blut vorhanden (siehe GUTTMANN und KLYNSTRA, 1968, pedigree 3). Andererseits gab es auch polnische Vollblutaraber, die asil waren, also 100% nachweisbares arabisches Blut führten, aber das waren Ausnahmen, und heute sind sie leider nicht mehr festzustellen …“
Dieses Kreuzen verschiedener Halbblüter untereinander hatte eine große Variabilität in den Zuchtresultaten zur Folge. Außer Pferden mit ausgesprochen arabischem Typus befanden sich unter den Nachkommen auch viele Rückschläge auf ihre nicht-arabischen Ahnen. Diese Kreuzungsprodukte aber werden hier in der polnischen Umwelt nicht eliminiert. Hier wird die Wüstenpferdpopulation nicht automatisch von Fremdblut gereinigt. Auch fehlte hier eine konsequente Verdrängungskreuzung durch Wüstenaraber. Nein, im Gegenteil, man kreuzte Halbblut mit Halbblut. (s. hierzu die Tabelle mit dem Kaliberindex in Asil Araber, Band IV, S. 709)

Felix H.E. Philippoteaux, Arrival of the Sheikh

Bei der Festlegung der Satzungen wurde damals in der Definition (der einzelnen nationalen Zuchtverbände) eines Vollblutarabers die lückenlose Zurückführung auf Wüstenaraber stets gefordert. 

The Arab Horse Society, England, gegründet im Jahre 1919, schrieb noch 1979 im Vorwort zum Band X ihres The Arab Horse Society Stud Book „Arabische Vollblutpferde sind die, in deren Pedigrees es kein anderes als rein arabisches Blut gibt.“ 
Man sollte also aufgrund dieser Definition erwarten, daß in dem englischen Studbook kein Vollblutaraber eingetragen ist mit nachweisbarem Fremdblut. Die Wirklichkeit aber sieht anders aus. Beim Eintragen von Pferden in das Vollblutregister hat man es in England mit der Reinheit des Blutes offensichtlich nicht so genau genommen. Schon zu Anfang, im Jahre 1919, wurde der schöne, später so berühmte polnische Schimmelhengst Skowronek als Vollblutaraber im englischen Stutbuch eingetragen, ungeachtet der Tatsache, daß seine Mutter Jaskolka nachweisbares Fremdblut in ihrem Pedigree führte, nämlich:

5 mal Englisches Vollblut
2 mal Turkmenen
16 mal polnische Landstuten: Kobyla (5mal)
Demianka (2mal)
Kwiata (3mal)
Woloszka
Milordska
Sawicka
Szejkowska
Anielka
Ilniecka

(vergl. GUTTMANN und KLYNSTRA, 1968, Pedigree II).

Nach diesem ersten polnischen Import gab es noch mehrere Importaraber mit nachweisbarem Fremdblut. Auch diese wurden ohne weiteres als Vollblutaraber eingetragen.“

Dr. F. B. Klynstra (Wüstenadel)

Auch in Deutschland hat häufig Fremdblut seinen Weg in die Vollblutaraberzucht gefunden. Der Hengst Dardziling z.B. stand bereits 1913 in Weil auf Deckstation. Wie wir sahen, führte er nur 89% nachweisbares arabisches Blut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde noch eine Anzahl von fremdblutführenden polnischen Vollblutarabern zur deutschen Zucht verwandt. 1967 entsprachen hierdurch nur noch wenige deutsche Vollblutaraber den strengen statuarischen Anforderungen der Gesellschaft der Züchter und Freunde des Arabischen Pferdes e.V.: „Vollblutaraber im Sinne des Zuchtziels sind Pferde, welche nachweisbar ausschließlich auf Originalaraber zurückgehen … Eingetragen werden solche Pferde, welche einen einwandfreien Ahnennachweis besitzen.“

Neunzehn Jahre lang stellte die „Gesellschaft“ Papiere aus für Vollblutaraber. Nachdem Guttmann-Klynstra (1968) mit ihrem Buch den Beweis angetreten hatten, daß die Eintragungen für polnische Araber nicht haltbar waren, wurde im September 1968 von der „Gesellschaft“ die Definition für Vollblutaraber so geändert, daß alles nachträglich legitimiert werden konnte.

Später hieß es: „Vollblutaraber im Sinne des Zuchtzieles sind Pferde, welche im Ursprungsland (Geburtsland) als solche anerkannt und in dessen Stutbuch für Arabisches Vollblut eingetragen sind bzw. waren …“.
So könnten wir noch viele Beispiele zitieren. Es ist denn auch leicht verständlich, daß es Züchter und Hippologen gab, die Angst hatten, daß das asile Blut aussterben würde …

Man kann das Reinblut aber nicht erhalten, wenn kein scharfer Unterschied gemacht wird zwischen Asil Arabern und fremdblutführenden Vollblutarabern. Die erste Initiative dazu unternahm die Amerikanerin Frau Jane L. Ott. Sie verfaßte The Blue Arabian Horse Catalogue (2 vols.). Band 1 erschien schon 1961, ein Werk, dessen Bedeutung für die Araberwelt nicht hoch genug zu veranschlagen ist. In diesem Katalog sind alle asilen amerikanischen Vollblutaraber, auch die asilen Importe in die USA, aufgeführt. Man bedenke, daß durch Unkenntnis asile Stuten von nicht-asilen Hengsten gedeckt wurden und auf diese Weise 1956 ein Tiefstand erreicht war mit nur 10 asilen Fohlen von mehreren hundert asilen Stuten der USA. Raswan und J.L. Ott ist es zu verdanken, wenn hier grundlegender Wandel geschaffen und die Asilzucht in den USA erhalten werden konnte. 

Peter Herwegen, Halt einer Karawane
Der Asil Club e.V. mit Hauptsitz in Deutschland und Al Khamsa Inc., USA haben sich ohne Umschweife zu dem bekannt, was Hauptziel einer jeden Arabervollblutzucht zu sein hat: Zum Züchten mit dem reinen Blut, zur Asilzucht.

Der Pyramid Society, USA, gebührt das Verdienst, den über viele Jahre hinweg besonders im Commonwealth und den USA gering geschätzten Asilaraber Ägyptens wieder zu Ansehen und Geltung gebracht zu haben. Auch sie hat die Skowronek-Abstammungen, die es dort gibt, ausgeklammert.

Manche Züchter und Autoren, die auf beiden Schultern tragen, wiegeln bei der Diskussion um die Asilzucht gern ab mit dem Hinweis: schließlich könnten die einzelnen fremden Pferde, die Klynstra als polnische Landstuten auflistet, auch gewisse arabische Blutanteile führen.

Dazu Klynstra:
„Und wenn sie soviel arabisches Blut führten wie die Englischen Vollblüter, was ändert das? Einige Prozente fremden Blutes weniger ergeben keinen Asil Araber, selbst die Anwendung der Verdrängungskreuzung – und sie gab es in Polen nicht – bringt die Fremdblutanteile nie auf Null … Dessen ungeachtet ist der Vollblutaraberstatus für diese Linien gewährleistet, und die Mehrheitsverhältnisse in den einzelnen Zuchtverbänden wie in der WAHO lassen keine Hoffnungen oder Befürchtungen aufkommen, daß sich daran je etwas ändern könnte.“

Zwangsläufig stand die WAHO seit ihrer Gründung vor denselben Problemen wie die nationalen Araberzuchtverbände; s. dazu das folgende Kapitel: Asil Araber: Diamanten ohne Einschlüsse – Sind Vollblutaraber asil?

Wir betonen: Die einzelnen Blutlinien, die den AV-Status genießen, die Spanischen, Polnischen, Russischen u.a., sind das Ergebnis der Anpaarung mit unbekannten oder nicht asilen Pferden, sie sind uns lieb und wert. Wir würden mit diesen Kulturarabern züchten, gäbe es die Asilen nicht. Aber es gibt diese authentischen Nachkommen einer der ersten Reinzuchtrassen der Welt, und es ist unsere Pflicht, sie in bewährter Qualität der Nachwelt zu erhalten, damit sie wieder zum Bindeglied werden zu den Züchtern Arabiens, den Nachkommen der Beduinen, den Schöpfern asiler arabischer Pferde.

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(c)2002 Asil Club e.V. - Hagentorwall 7 - 31134 Hildesheim - Germany
Textsource: Asil Arabians V - The noble arabian horses (Olms Verlag 2000)
Textquelle: Asil Araber V - Arabiens edle Pferde (Olms Verlag 2000)