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Arabische Pferde sind wie Diamanten (griechisch: adamantes – die Unbezwingbaren). Die geschliffenen Diamanten werden nach Karat und schließlich nach Reinheit bewertet. Ein Diamant gilt als rein, wenn bei zehnfacher Vergrößerung noch keine Einschlüsse und Unvollkommenheiten zu sehen sind, als fehlerlos, wenn er unter gleicher Vergrößerung auch keine äußeren Fehler und einen richtigen Schliff besitzt (nach Brockhaus).
Wir behaupten nicht, unsere asilarabischen Pferde seien fehlerlos. Wir sind uns aber sicher, daß sie rein sind, also asil. Es bleibt jedem unbenommen, auch die asilen Araber unter die Lupe zu nehmen. Wir haben uns längst dieser Mühe mit Sorgfalt unterzogen und sind zu dem Schluß gekommen, daß um eben diesen Bestand ein Kreis gezogen werden
muß.
Nun finden sich immer wieder Araberzüchter, die diese Einschlüsse in ihren „Diamanten“ nicht wahrhaben wollen oder ihre Bedeutung herunterspielen. Seit Jahrzehnten spiegelt sich das in vielfältigen Diskussionen um das zentrale Thema der asilen Blutführung wider, und das geht zuweilen nicht ohne Polemik. Die einzelnen Argumente wurden seither auf gutem Niveau ausgetauscht. Jetzt aber ist Gefahr im Verzuge: Es muß widersprochen werden und zwar mit Entschiedenheit, wenn von der WAHO (World Arabian Horse Organization) die Beduinentradition der ehernen Asilzucht und damit die eigentliche Grundlage aller Araberzucht als ein einziges Mißverständnis ausgegeben bzw. in das Reich der Mythen verbannt wird.
Um es mit Alfred Kerr zu sagen: Hier sitzen wir mit der besten Absicht gegenüber der WAHO, aber wir können doch nicht leugnen, was wir sehen, nicht fortblasen, was wir erkennen, also wir können nicht argumentieren, ohne ebenfalls Staub aufzuwirbeln. Wir wissen um die Schwäche ihrer Argumente, aber wir lassen nichts auf sie kommen. Hier geht es aber wirklich nicht. Die Sache liegt so: In entsprechenden Artikeln und Vorträgen wird versucht, listig den asilen Araberpferden und der Beduinentradition etwas anzulasten, um so die Mehrzahl der Vollblutaraber zu entlasten. Das ist der Kern.
Quintilian, der große Redner und erster Stilist seiner Epoche, wird von Lion Feuchtwanger wie folgt zitiert:
„Ich habe als Redner vor Gericht niemals Bedenken getragen, zweifelhafte Behauptungen vorzubringen, wenn ich keinen anderen Ausweg sah, um die Richter für die gute Sache zu erwärmen.“

[o.N.], 17 Ansichten aus den Schlachten Napoleons

[o.N.], Schlacht bei Jena
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Die Autoren des WAHO-Pamphlets „Is purity the issue?“ und ein Kees Mol verstehen sich als Anwälte für die Vielzahl der Vollblutaraber und tragen wie Quintilian keine Bedenken, die Leser für die „gute Sache“ zu erwärmen.
Aber was ist die gute Sache? Letztlich immer nur das Eigeninteresse. Man glaubt, die Problematik bei Vollblutarabern mit nachweislichen Femdblutanteilen dadurch bagatellisieren zu können, daß man die Asilzucht der Beduinen in Zweifel zieht.
Ein solches Verhalten könnte man eigentlich nur auf Unkenntnis zurückführen. Klarheit wurde aber doch schon vor Jahren geschaffen und zwar durch die Publikationen solcher Experten wie Guttmann, Klynstra und Bakels sowie durch die Asil Araber Dokumentationen. Heute kann niemand mehr sagen, er habe keine Möglichkeit der Information gehabt. Die Fakten liegen auf dem Tisch, man muß sich nur der Mühe unterziehen, sie zu lesen, aber: „Die Wahrheit ist ein Buch, in dem man nicht gern liest.“
(Parömiakon, 2606).
Der unbedarfte Neuling in der Szene verläßt sich zunächst blind auf das Pedigree eines arabischen Vollblutpferdes, das vom jeweiligen nationalen Zuchtverband eingetragen und von der WAHO als Pure Bred Arab anerkannt ist. Was dürfte dem neu dazugekommenen Enthusiasten wichtig sein:
– mit einem schönen Pferd auf der Schau zu glänzen,
– mit einem schnellen Pferd Rennen oder Distanzritte zu gewinnen,
– oder sich an einem braven, hübschen Familienpferd zu erfreuen.
Das sind in der Regel die Auslöser für den Erwerb, und wenn dann der Fremdblut führende Araber einmal im Stall steht, der einzelne sich also im Besitz eines makellosen Vollblutarabers wähnt, sich in sein Pferdchen verguckt hat und zuweilen noch mit Erfolgen glänzen kann, was Wunder, daß er dann enttäuscht, ja geradezu verzweifelt ist, wenn er erfährt, daß sein Pferd nicht reinblütig, also nicht asil ist.
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Ursache ist oft auch ein sprachliches Dilemma, das für den Unkundigen besondere Verwirrung erzeugen kann: Von unseren arabischen Freunden wird das Wort rein bzw. pure mit asil übersetzt, Vollblutaraber oder Pure-Bred Arab also mit
al-hail al-’arabia al-asila. Der Begriff ,asil‘ hat aber in den arabischen Ländern einen weitaus höheren, fast heiligen Stellenwert. Ein importierter Vollblutaraber wird in dortigen nationalen Stutbüchern als ,asil‘ geführt, ist jedoch, wie sich nachträglich herausstellt, nur in den wenigsten Fällen ohne Fremdbluteinflüsse. Er ist also nicht
asil!
Das Grundübel in der zentralen Problematik liegt also darin: für den Benutzer von nationalen Stutbüchern ist nicht erkennbar, ob ein Vollblutaraber wirklich asil ist, asil im strengen Sinne von reinblütig, ohne nachgewiesene Fremdblutanteile.
Es wäre eigentlich eine der ersten Aufgaben der WAHO gewesen, hier Klarheit zu schaffen, indem sie die Kennzeichnung von Pferden mit erwiesenen Fremblutanteilen verlangt oder umgekehrt zumindest die Kennzeichnung der wenigen Pferde, die im strengen Sinne des Wortes ,asil‘ sind. Dann könnte schon auf diese Weise einer weiteren Vermischung Einhalt geboten werden.
George Bernard Shaw sagte einmal:
„Ich gelte gemeinhin als ein Meister der Satire, aber auf die Idee, eine Freiheitsstatue im Hafen von New York zu errichten, wäre selbst ich nicht gekommen“. In Abwandlung dazu sagte Foppe Bonno Klynstra: „Machiavelli gilt als einer der geschicktesten Anwälte dank seiner höchst raffinierten Argumentationskunst, aber auf die Idee, einen Fremdblut führenden Araber als Vollblutaraber und damit als ,asil’‘auszugeben, wäre selbst er nicht gekommen.“
Im Streit zwischen der WAHO und der AHRA (Arabian Horse Registry of America) werden viele Argumente ins Feld geführt, die vor 25 Jahren die Asilzüchter zur Gründung des Asil Clubs veranlaßt haben. Es geht der WAHO mit der Auflistung der Fakten darum, die AHRA zu disziplinieren und darauf einzuschwören, alle diejenigen Pferde als Vollblutaraber anzuerkennen, die auch von den anderen nationalen Stutbüchern, die in der WAHO vereinigt sind, längst akzeptiert wurden. Man räumt nunmehr auch öffentlich ein, daß in so gut wie allen nationalen Stutbüchern bei der überwiegenden Zahl der Pferde Fremdblutanteile nachzuweisen sind. Unter Hinweis auf diese Fakten soll die AHRA überzeugt werden: Es ist unsinnig, einige dieser fraglichen Pferde und ihre Nachzucht von der Anerkennung auszuklammern, wo doch das Stutbuch der AHRA höchstselbst überwiegend Pferde mit Fremdblutanteilen aufweist. Um zu zeigen, wie absurd die Uneinsichtigkeit der AHRA ist, führt die WAHO eine Vielzahl von Fakten auf, die unsere Zielsetzung auf das Schönste bestätigt.
Hier die Auszüge aus der WAHO-Publication, 21 January 1998 „Is Purity the Issue?“:
„… Der wichtigste Punkt ist: die Behauptung der AHRA, alle Pferde, die dort registriert sind, könnten in jeder Linie bis zu arabischen Wüstenpferden zurückverfolgt werden, ist nicht annähernd wahr. Tatsächlich ist nichts so weit von der Wahrheit entfernt wie dieser Anspruch.
Von den 8771 Arabern, die 1970 geboren und bei der AHRA registriert wurden, hatten nur 2% einen Stammbaum, der in jeder Linie bis zum Orient zurückverfolgt werden konnte.“
Im Jahr 1970 konnte demnach bei 98% der AHRA-Pferde keine Verwandtschaft bis zu in der Wüste gezogenen Arabern in jeder Linie nachgewiesen werden, selbst wenn man den Begriff ‚wüstengezogen‘ so breit wie möglich
faßt.
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Nichtarabisches Blut in den AHRA-Stammbäumen – Der Beweis
Louis Eugen Ginain, The Falcon Hunt |
Heute gehen mindestens 90% der AHRA-Registrierungen auf Züchtungen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, abstammend von den Stuten Slawuta und Chrestowka der Sanguszko Familie in der Ukraine, ein Gebiet, das ursprünglich zu Polen gehört hatte, aber dann unter russische Herrschaft fiel. Im Jahre 1900 schrieb Prinz Roman V. von Sanguzsko, der 1860 das Gestüt von seinem Onkel erworben hatte, daß alle noch im Gestüt befindlichen Pferde einen Teil nichtarabischen Blutes aufwiesen. In einem Brief, der 1900 veröffentlicht wurde, schrieb er: „Zur Zeit habe ich keine reinrassigen Araber mehr (d.h. von importierten Eltern abstammende Pferde); der letzte reinrassige Araber war der Hengst ‘Attyk’, der 1899 verkauft wurde.’ Er unterstrich kategorisch: ,Das trifft auf alle meine Pferde zu, da ich zur Zeit kein Pferd habe, das von Hengsten oder Stuten aus der Wüste abstammt.‘
Die polnischen Exporte nach Amerika, die von dieser spezifischen, nichtarabischen Linie des Gestüts Slawuta abstammen und am häufigsten in den Stammbäumen der AHRA vorkommen, sind:
* Kasztelanka, Großmutter von Fadjur (855 get), zu 20% in AHRA-Stammbäumen vorkommend; geht auf Pruszyna zurück,
* Bask (1126 get), zu 25% in AHRA-Stammbäumen vorkommend; geht auf Bakszysz und Granica zurück,
* Czubuthan (110 get, 585 grandget), zu 25% in AHRA-Stammbäumen zu finden; geht auf Mazepa I. zurück,
* Witez II (219 get, 3880 grandget), zu 33% in AHRA-Stammbäumen zu finden; geht auf Pruszyna zurück,
* Skowronek, über *Raffles und *Raseyn zu 90% in AHRA-Stammbäumen vorkommend, geht auf alle 8 Ur-Großeltern von Pruszyna zurück.
Tatsächlich erkannte die AHRA implizit das Blut von Kurdo III im Juni 1972 an, als sie abstimmten, die Veragua Pferde aus Spanien anzuerkennen. Die Veraguas waren Pferde unbekannten Stammbaums aus einem Gestüt, das verschiedene von Kurdo III abstammende Stuten im Bestand hatte. Diese Anerkennung stellte eine komplette Abkehr von der früheren Politik der AHRA dar. (News from the Arabian Horse Registry of America, August 1973, page 1)
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Kurdo III wurde 1902 geboren, im selben Jahrzehnt wie Skowronek. 30-Maria taucht in der 6. Generation von Kurdo III’s Stammbaum auf. In der gleichen Generation haben neun von 64 Vorfahren in Skowronek’s Stammbaum nichtarabisches Blut. …In der nächsten Generation finden sich bei Kurdo III drei Vorfahren mit nichtarabischem Blut, während Skowronek 16 aufweist. Offensichtlich ist die Konzentration arabischen Blutes bei Kurdo III höher als bei
Skowronek.
Wenn wir also die allgemeine Position der AHRA akzeptieren, daß nur Pferde, die in jeder Linie auf arabische Wüstenpferde zurückgehen, rein sind, müssen wir einräumen, daß über 90% der AHRA-Registrierungen keine reinen Vollblutaraber sind. Da keines der über 4000 bedeutenden Pferde, die bei der AHRA in den letzten 25 Jahren registriert wurden, ausschließlich auf im CD-ROM Katalog der AHRA als ‘wüstengezogen’ bezeichnete Pferde zurückgeht, kann davon ausgegangen werden, daß keines dieser Pferde als reinrassig im Sinne der AHRA-Definition gelten kann.
Herzog Alexander Dzieduszycki, Präsident der Züchtervereinigung Arabischer Pferde in Polen von 1925 bis 1945, erklärte einmal:
,Die Basis der polnischen Zucht reinrassiger Pferde war deshalb Orientalisches Material, gewonnen durch die Kreuzung von importierten, arabischen Hengsten mit polnischen Stuten, eine Zucht die auch verbessert wurde durch jahrhundertlange Vermischung mit arabischem Blut.‘ (The Breeding of Arab Horses in Poland, The Arab Horse, An Annual Journal, Arab Horse Society, England, 1935)
Mit anderen Worten, das polnische Konzept des ‘Vollblutarabers’ bezeichnete zugegebenermaßen Pferde, die von in Polen gezogenen Stuten abstammten, vorausgesetzt, sie wurden wiederholt mit importierten Araberhengsten gekreuzt und nicht lediglich mit den Nachkommen importierter Araberstuten.“ (WAHO-Veröffentlichungen, 21. Januar 1998)
Angesichts solcher Tatsachen hat sich die WAHO schon vor Jahren entschieden, von der ersten und vornehmsten Verpflichtung der Araberzucht, der Asilzucht, abzurücken, da ihre Definition nicht mehr haltbar war.
„Die WAHO wußte bereits seit vielen Jahren, daß in allen Zuchtbüchern der Welt fragliche Eintragungen enthalten sein könnten; viele davon sind bereits über einhundert Jahre alt. Seit die World Arabain Horse Organization ins Leben gerufen wurde, ist diese Tatsache auf jeder WAHO Konferenz unterstrichen worden.“ (WAHO Veröffentlichungen, 21 Januar 1998)
Trotzdem lautete über Jahre hinweg eine der wichtigsten Zielsetzungen in der WAHO-Satzung: „weltweit die Reinheit des Blutes der arabischen Pferdezucht zu bewahren“, offensichtlich in Anlehnung an die Formulierungen in den Satzungen der meisten nationalen Stutbücher. Nunmehr heißt es in Mitteilungen der WAHO: „Die WAHO hat beschlossen, den Stutbüchern der Welt eine verständliche und nützliche Definition des arabischen Pferdes zu bieten“.
Diese offizielle Definition für den Vollblutaraber lautet jetzt:
„Ein Vollblutaraber ist ein Pferd, das in einem bei der WAHO anerkannten Vollblutaraber-Stutbuch registriert wurde.“
Auf die Frage, welches die beste Verfassung ist, hatte Solon einmal geantwortet: „Für wen und in welchem Moment?“
Mit anderen Worten: Um bei dem Kernproblem der Araberzucht, der Frage nach der reinen Blutführung, zu retten, was zu retten ist, also eine Lehrmeinung zu finden, mit der man glaubt, leben zu können, verfällt man auf Interpretationen, von denen man sich noch vor Jahren empört distanziert hätte.
So heißt es in der WAHO-Publikation „Is Purity the Issue?“:
„Die Reisenden und Forscher des letzten Jahrhunderts, viele auf Pferdeankaufmissionen, haben wohl die Art und Weise, wie die Beduinenstämme das Konzept der Blutreinheit (asil) umsetzten, falsch interpretiert.“
Diese Reisenden und Forscher hätten dann aber doch allesamt ausgemachte Schwachköpfe gewesen sein müssen. Man sehe sich die Namen der einzelnen Persönlichkeiten, die in dieser Dokumentationen zitiert werden und die für viele andere stehen, doch nur einmal an.
Es heißt ferner:
„Die Länder, die als Originalzuchtgebiete bekannt sind, waren nie von der Außenwelt isoliert.“
Nun: Daß in früheren Zeiten die Beduinen der Arabia Deserta im weit höherem Maße von der Außenwelt abgeschottet waren als viele andere Bevölkerungsgruppen, wird niemand bestreiten können, ebensowenig, daß es immer wieder Kontakte gegeben hat. Aber wer damit sagen will, daß diese Kontakte auch automatisch zu Blutvermischungen bei den Pferden geführt hätten, der vergißt oder verleugnet den Blutfanatismus der Beduinen und verunglimpft ihren Ehrenkodex. Kein Volk der Erde mißt seiner Abstammung so große Bedeutung zu wie die Araber (W. Thesiger, 1959). Das gilt ebenso für ihre Pferde-, Kamel- und Saluki-Zucht!
Adolph Schreyer, Arab Horsemen on the March |
Und um die letzten Zweifel auszuräumen: F.B. Klynstra hat mit den Erfahrungen bei den Kreuzungsprodukten mit den Shetlandponys auf den Shetlandinseln und den Huzulen in den Karpaten verdeutlicht, was geschieht, wenn Kreuzungsprodukte unter denselben mörderischen Bedingungen leben müssen wie die unvermischten Originalpferde. Die Kreuzungsprodukte werden ausgemerzt. Dies nur als diskreter Hinweis für denjenigen, der immer noch eine Blutvermischung bei den wüstengezogenen Arabern der Arabia Deserta, den ‚desert breds’, unterstellen möchte.
Diese Fakten ignorierend, sagt die WAHO:
„Der Westen (das Abendland) betrachtet einen Stammbaum als Dokument, das in der Vergangenheit beginnt und in der Gegenwart endet. Der Osten (das Morgenland) sah den Stammbaum immer als mündliche Überlieferung, die in der Gegenwart begann und in die Vergangenheit zurückgeht; er ist in hohem Maße abhängig von der Person des gegenwärtigen Besitzers des betreffenden Tieres. Was zählt ist die Gegenwart und die Zukunft, die Vergangenheit hat sich anzupassen.“
(WAHO Publication: Is purity the issue?)
Und nun wird auch noch die Reinzuchttradition in das Reich der Mythen verbannt: „Es war stets leicht und bequem, den Mythen und Legenden Glauben zu schenken.“ Soweit die Zitate aus der WAHO Publikation Is purity the
issue? |
Und bei Kees Mol lesen wir:
„Viel zu lange waren das arabische Pferd und sein Ursprung von romantischen Mythen umgeben. Viele wurden davon im Westen aus wirtschaftlichen Gründen noch reichlich ausgeschmückt. Ein Mangel an Wissen über die komplizierte Geschichte des Mittleren Ostens, zusammen mit einem Mangel an Verständnis für seine Menschen und ihre Lebensweise, haben dafür gesorgt, daß diese Mythen, die noch immer das moderne Denken vernebeln, im Westen so leicht akzeptiert wurden.“ (Araber Journal, Heft 7/98, Die Reinheit des Blutes)
Es soll also nur ein Mythos sein, daß die Asilzucht von den nomadischen Züchtern peinlich genau kontrolliert wurde. Nun hat zwar jedes Volk seine Sagen- und Märchenwelt, aber was hat das eine mit dem anderen zu tun? Daß der Ursprung des arabischen Pferdes (siehe die Legenden „Aus Schaum geboren“, „Von Allah aus dem Südwind geschaffen“) mythologisiert wurde, hat seine Entsprechung in manchen anderen Kulturkreisen. Der Verweis auf solche Mythen macht doch nicht eine ganze Zuchttradition unglaubwürdig, und wenn ein Benjamin D’Israeli als Ministerpräsident dem englischen Parlament vortrug: „Man sagt uns, daß die Entdeckungen der Wissenschaft nicht mehr mit den Lehren der Kirche übereinstimmen… Die Frage liegt so: Ist der Mensch ein Affe oder ein Engel? Mylords, ich stehe auf seiten der Engel.“ So sagt das aber doch nicht, daß ein D’Israeli weltfremd und unglaubwürdig gewesen sei.
Um eine solche verwegene Auslegung, europäische Reisende wären arabischen Legenden aufgesessen, gleich im Keim zu ersticken, sei hier die Aussage des Ordinarius für orientalische Sprach- und Kulturwissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/Main, Professor Dr. Rudolph Sellheim, zitiert:
„Jeder, der in die Hochkultur des Orients eintaucht, sieht sich dem asilen Araber gegenüber. Geliebt und bewundert, besungen und charakterisiert: in Poesie und Literatur, Geschichte und Naturkunde und nicht zuletzt in den ebenso verläßlichen wie lebendigen Berichten europäischer Reisender vom Mittelalter bis in die Neuzeit.“
Wer sich auch nur ein wenig in der arabischen Kulturgeschichte auskennt, weiß um die Vielzahl arabischer Manuskripte, auch von Manuskripten zum arabischen Pferd, von denen bislang nur ein geringer Teil übersetzt werden konnte. H. H. Sheikha Lulua Al Sabah nennt einige der arabischen Autoren. Sie selbst hat zu der Thematik Stellung genommen:
„Ich frage mich, wie irgend jemand den Asil Araber in dieser Weise herabsetzen kann. Die Araber waren die ersten, die Pferde und Kamele in reinrassige Familien klassifiziert haben. Archäologische Ausgrabungen in Syrien, auch Inschriften und Platten, die auf 3000 v. Chr. zurückgehen, belegen die Existenz des arabischen Pferdes. Während der Jahaliya-Periode, in der vorislamischen Zeit, wurde das arabische Pferd umfangreich und ausführlich beschrieben und mit Familien und Stammbäumen dargestellt. Die besten jener frühen Zeugnisse, die in ihrer Beschreibung sehr genau sind, waren von Al Ayadi und Al Jaa’di.
Eugene Delacroix, Circassian holding a Horse by its Bridle |
Eine große Anzahl von hervorragenden Autoren widmete sich der
Klassifikation von Pferden und Kamelen. Dr. Munthire Al Absi und Mr.
Radwan Chabarek geben in Kürze das Kitab al-hail, das 831 n. Chr. von
Abu Ubaida Al Teemi geschrieben wurde, heraus.*
Es gab stets nur wenige reinrassige Araberpferde, die im
Ursprungsgebiet gezüchtet wurden. Es gab praktisch keine Fremden in
der Beduinenwelt, jeder kannte jeden durch seinen Ruf…
Eine arabische Redewendung lautet: ‘Die Wurzel reicht sieben
Generationen vor und zurück.’ Damit ist gemeint, daß alle
Vorfahren und Nachkommen bedeutsam sind…
Die heutigen Asil-Araber sind direkte Nachfahren beduinischer
Zuchtlinien. Nur meisterhafte Pferdezüchter – arabische Beduinen
mit Kenntnis planmäßiger Zucht unter Asilpferden – haben den Typ
festlegen können, den man über Jahrtausende hinweg hat sehen
können. Jedem Beduinen, jedem Araber, den ich je getroffen habe,
bedeutet Reinheit nur eins: Keine Blutvermischung. PUNKT!” (Sheikha
Lulua Al-Sabbah, 1998)
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Auch Dr. Kurt Entress hat in seinem Artikel „Wie wird ein Araber asil“ (Araber Journal 2/88) auf die Mythen und den Aberglauben bei den Beduinen angespielt. Dazu sei hier die Entgegnung von Dr. W. Georg Olms (Araber Journal 4 und 5/88) zitiert:
„Die Araber haben ihre Asilzucht nicht nur mit Akribie, sie haben sie geradezu mit fanatischem Eifer betrieben, waren aber auch abergläubisch: sie hatten z. B. Angst vor dem ‚Bösen Blick’ und schützten ihre Lieblinge eigens mit Amuletten gegen Neid und Mißgunst. Was Wunder, wenn sich bei einigen Stämmen sogenannte Proben herausgebildet hatten, die die asile Abstammung sichtbar unterstreichen sollten. Wie man von asilen Salukis sagt, daß sie ihre Schwänze beim Wedeln kreisen lassen und nicht nur hin- und herschlagen. Eine asile Abstammung wurde aber doch nicht deswegen asil, weil der Schweif kreiste. Oder auf die Pferde bezogen: auf einer Schau von Vollblutarabern im gar nicht allzu fernen Ausland kommentierten namhafte Züchter: das stolze Tragen des Schweifes, also die Fahne des Propheten, wie bei den meisten asilen Abstammungen zu sehen, hätte man völlig vermißt. Kein Mensch kommt aber als Züchter asiler Pferde auf die Idee, aufgrund eines solchen Merkmals irgend etwas unterstellen zu wollen, wenngleich möglicherweise, ich betone möglicherweise, bei asilen Abstammungen diese Schweifhaltung – und das nicht nur im Stolztrab – häufiger anzutreffen sein könnte als bei manchen anderen Zuchten arabischer Pferde.
Um die Hoffnung, hier sei eine Schwachstelle zu finden, gleich im Keim zu ersticken: ein Hang zum Aberglauben schließt logisches Denken, peinliche Sorgfalt keineswegs aus. Dazu erfrischt die Anekdote vom Atomphysiker Niels Bohr, der einmal gefragt wurde, weshalb er, gerade er, ein Hufeisen über der Haustür angebracht habe, darauf antwortete, er glaube natürlich nicht daran, aber er habe gehört, so ein Hufeisen wirke auch dann, wenn man nicht daran glaube.”
In diesem Zusammenhang gilt es herauszustellen: Die Kadishis, die es bei den Beduinen gegeben hat, waren in der Regel nach unseren Begriffen asile Pferde, die aber ihren asilen Status verloren hatten, denn die Ehrauffassung der Beduinen ließ es nicht zu, daß ein Pferd als asil akzeptiert wurde, wenn es zum Beispiel durch einen Beutezug in andere Hände geraten und die Abstammung unbekannt geblieben war. Eine asile Stute und ihre spätere Nachzucht von asilen Hengsten galt als Kadish, wenn sie nur einmal mit oder ohne Erfolg von einem Kadishihengst gedeckt worden war. [Kadish = gewöhnlich, mittelmäßig (nicht asil)].
Alfred de Dreux, Randjiit Sing Baadur, Roi de la Hore |
Zu den anderen Themen heißt es im selben Artikel von W. G. Olms:
„Gern wird auch die Populationsgenetik bemüht, um mit deren Argumenten die Bedeutung von Fremdblutanteilen herunterzuspielen. 1972 bestand schließlich die Stellungnahme der ,Gesellschaft der Züchter und Freunde des Arabischen Pferdes’ darin, aus dem Munde eines Populationsgenetikers erklären zu lassen, das alles sei schließlich völlig unbedeutend.
Dessen Vortrag vor der ,Gesellschaft’ gipfelte dann in der Feststellung:
a) völlige Homozygotie (Reinerbigkeit) sei bei keinem Pferd erreichbar.
b) nach 5, 10 oder noch mehr Generationen seien Fremdbluteinflüsse genetisch uninteressant. Er zitierte das Clausen-Beispiel vom dänischen Landschwein: In eine Herde von reinblütigen dänischen Landschweinen war ein Wildschweineber eingebrochen und hatte für Nachwuchs gesorgt. Dank konsequenter Verdrängungskreuzung mit reinblütigen Ebern war es dann gelungen, bereits nach fünf Generationen jedes äußere Merkmal, das auf den Wildschweineber hinweisen konnte, auszumerzen.
c) Jede Aufspaltung in kleinere Gruppen schwäche die Zucht, Qualität käme aus Quantität. Der hervorragende Hengst Ofir aus polnischer Zucht sei ein Paradebeispiel für diese Thesen. Er führte ein weiteres Beispiel an, so: Von 100 Läufern wäre bei den ersten zehn sicher ein besseres Durchschnittsergebnis zu erwarten als bei den ersten 10 von 20 Läufern.
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Ich habe damals darauf erwidert:
Zu a) Eine genaue und unvoreingenommene Lektüre der Klynstra-Aussagen ließe sofort erkennen, daß der Verfasser eine solche unsinnige Behauptung nie aufgestellt hatte.
Zu b) Das Clausen-Beispiel (das war nicht schwach, aber besonders stark war es auch nicht) beweise tatsächlich, daß bei konsequenter Verdrängungskreuzung solche äußeren Merkmale schon nach wenigen Generationen zu reduzieren, ja so gut wie auszumerzen seien. Aber die Betonung läge bei konsequenter Verdrängungskreuzung, und das sei im Falle der polnischen Araberzucht nicht der Fall gewesen. Unerwünschte, nämlich rezessive Faktoren, die äußerlich eliminiert scheinen, würden immer wieder durchschlagen bei Einsatz von gleichgearteteten Abstammungen, und zwar noch nach vielen Generationen.
Ein Beispiel, das für viele andere in der gesamten Tierzucht steht:
Den Züchtern des Merino-Schafes ist ein Phänomen wohlbekannt: Noch nach 15-20 Generationen, also nach etwa 100-120 Jahren, tauchen in der Zucht immer wieder unerwünschte schwarze Schafe oder schwarz-gefleckte Schafe vereinzelt auf, nachdem seinerzeit ein Schwarzkopfschaf dazwischengeraten war. Solche negativen Erbanlagen, die schließlich rezessiv sind, bleiben oft über viele Generationen unerkannt, doch wenn zwei negative, rezessive Erbanlagen von Vater- und Mutterseite zusammentreffen, die identisch sind, wird das Individuum phänotypisch geschädigt.
Ich führte damals Klynstras Mäusebeispiel an, das er zur Verdeutlichung der möglichen Inzuchtresistenz gebraucht hatte:
Biologen, die Mäuse und Ratten für Versuchszwecke züchten, haben ihre reinen inzuchtresistenten Bestände, die bis zu achtzig Generationen ingezüchtet sind. Solche Familien weisen keine Inzuchtschäden auf; das bedeutet jedoch nicht, daß Mäuse ganz allgemein inzuchtresistent sind. Im Gegenteil, zu Beginn des Inzüchtens treten in den ersten Generationen alle möglichen Arten von unerwünschten, unfruchtbaren und ungesunden Individuen auf… Diese Erscheinung gibt es im gesamten Tierreich. Derartige Degenerationsprodukte müssen ausgeschieden werden, um die Degeneration des gesamten Bestandes zu verhindern. In der Wüste werden sie durch das mörderische Klima und die Umweltverhältnisse leicht ausgemerzt. Seydel, der das Araberpferd in dessen Heimat studierte, stellte fest, daß sogar noch vor dreißig Jahren fünfzig Prozent aller Pferde starben, bevor sie das vierte Lebensjahr erreicht hatten… (Guttmann/Klynstra, Die Abstammung der polnischen Araber. Marbach 1968).
Anton Mutterthaler, nach J.M. Bernatz, Male Costumes of Shoa |
Darauf wurde mir seinerzeit entgegengehalten: “Sie wollen doch nicht von Mäusen und Ratten auf unsere edlen Araber schließen.” Diesen verblüffenden Vorwurf der Niveauschändung konnte ich nur mit dem Hinweis beantworten, daß man offensichtlich aber unseren edlen Araber mit Schweinen und Wildschweinen vergleichen könne, und das sollten wir um Allahs Willen nicht einen Bedu hören lassen. Ich führte ferner an, eine solche Auffassung rechtfertige auch, daß man jederzeit mit einer Warmblutstute eine Vollblutaraberzucht begründen könne, wenn man nur fleißig Verdrängungskreuzung betreibe. Nach fünf bis zehn Generationen sei die Warmblutstute nach seiner Auffassung genetisch bedeutungslos. Aber solches bedachten der Vortragende und die ,Gesellschaft’ nicht.
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Zu c) Natürlich könne man mehr Qualität aus entsprechender Quantität herausholen. Das Läuferbeispiel aber gehe von falschen Voraussetzungen aus. Nehmen wir als Beispiel eine Gruppe von 100 Pferden, in der sich 20 Englische Vollblüter befinden; die 10 schnellsten wären garantiert die Englischen Vollblüter. Die hohen Qualitäten der 20 Englischen Vollblüter könnten wir doch aber nicht durch populationsgenetische Überlegungen erst in der Gruppe der 100 Pferde aufgehen lassen. Und was nun den Hengst Ofir angehe, Paradebeispiel für die überzeugende Qualität polnisch gezogener Araberhengste, so entzücke die Tatsache, daß eben dieser Ofir einer der letzten noch asil gezogenen Hengste in Polen gewesen ist.“
Die Wissenschaft, auch die Populationsgenetik, kann viel. Sie kann mit Statistiken arbeiten, sie kann historische Beispiele bringen, sie kann ein eindrucksvolles Gebäude für eine bestimmte Sache schaffen, aber sie kann eines nicht: sie kann nicht aus einer Binsenwahrheit eine Farce machen.“
Lassen wir den Genetiker und Tierzuchtwissenschaftler Professor Dr. Dr. F. Bakels zu Worte kommen:
„Vollblutaraber, die lückenlos auf Beduinenzucht zurückgehen, sind besonders wertvoll… Indizien dafür, daß man in der Konstitutionszüchtung nicht ungestraft Schwächen hinnehmen kann, daß man also nicht denken darf wie die quantitativen Genetiker, die argumentieren, dieses Pferd hat vielleicht ein paar Prozent Blut einer anderen Rasse, das ist völlig gleichgültig, das spielt keine Rolle, denn statistisch ist es völlig unerheblich. Gerade diese Denkungsweise ist falsch und führt zu Fehlschlägen. Das Gegenteil muß der Fall sein.” (Frederik Bakels, Der Asil Araber im Lichte neuer genetischer Erkenntnisse. Hildesheim 1981)
Winston Churchill sagte einmal treffend:
„Je weiter man zurückblicken kann, desto weiter kann man vorausschauen.“
Das gilt für die Ausführungen in diesem Artikel ebenso wie für die gesamte Araberzucht.
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