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Thursday 24th of April 2014

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Home Topic: Reports | Berichte Do you want your money or my horse?
Do you want your money or my horse? PDF Print E-mail
Written by KSL   

[o.N.], Chevaux Arabes à S.A. Le Vice Roi d'Egypte

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Do you want your money or my horse? - H. v. Moltke (1835-39)

This evening Kjerwan-Bashi told me an anecdote which is characteristic of an Arabian; I had heard it before at Orfa.
A Turkish general of the cavalry, Dano-Pasha at Mardin, had long been carrying on negotiations with an Arabian tribe on behalf of a fine mare of the Meneghi breed; finally a price of 60 bags, equivalent to 30 000 piasters, was agreed upon. At the fixed hour the chief of the tribe arrived at the Pasha’s courtyard with his mare. The Pasha tried to haggle again, but the sheikh proudly replied that he would not reduce the price by one single para. Morosely the Turk flung the sum to him remarking that 30 000 piasters for a horse was a price unheard of. The Arabian looked at him in silence and quietly tied the money into his white coat. Then he climbed down into the courtyard to say goodbye to his mare: he talked to her in Arabic, stroked her forehead and her eyes, examined her hooves, and while the animal stood attentively, he went round her slowly and inquiringly. Suddenly he jumped onto her bare back and the mare instantly shot forward and out of the courtyard.
As a rule the horses here always stand with the palan or felt saddle on their backs. Every noble man has at least one or two horses ready in his stable so that they only have to be bridled to be ridden. The Arabians, however, need no bridle at all; the halter rope is enough to stop the horse, a slight touch of the flat hand at the right or left side of the necks shows the horse in which direction to go. So within a few moments the Agas of the Pasha were in the saddle and went in pursuit of the fugitive.
The bare hoof of the Arabian mare had never touched a stone pavement so she rushed down the steep and rough path from the castle with some caution. The Turks on the other hand gallop down a precipitous slope full of sharp rock as we would gallop up a sand dune. The thin annular shoes, being forged cold, protect the hooves against any injury, and being used to such rides, the horses never make a false step. Where the grounds end, the agas had almost reached the sheikh, but when they were on the flat, the Arabian being in his element, races off straight as here there were neither ditches nor hedges, neither rivers nor hills to hinder his pace. Like a trained jockey who is in the lead of a race, the sheikh tries to ride not as fast, but as slowly as possible. Looking at his pursuers in regular intervals he keeps at shooting distance of them; he goes faster when they come nearer; he slows down when they fall back; he walks when they stop. In this way the chase goes on until the glowing disc of the sun sinks towards the evening, and only then he asks for all the strength of his mare. Leaning far forward he pushes his heels into the sides of the animal and with a loud “Jallah!” he darts along. The strong hooves thunder on the solid ground, and soon nothing but a cloud of dust shows the pursuers the direction in which the Arabian fled.
Dusk is very short here, where the disc of the sun sinks almost vertically, to the horizon so that the night soon covers any trace of the fugitive. The Turks, without food for themselves or water for their horses, find themselves twelve to fifteen hours away from home in a totally unknown region. They have no choice but to turn back and to convey the unwelcome message to their master, that horse and rider and money were lost. In the evening of the third day they reach Mardin, half dead of exhaustion and hunger, the horses can hardly move at all. What remains is the sad comfort of scolding at this new example of Arabian perfidy while they cannot but do justice to the mount of the traitor and recognize that such an animal is not easily overpaid for.
The next morning when the Imam called for the early prayer, the Pasha heard hooves clattering beneath his windows; it was the sheikh who quite innocently rode into the courtyard. “Sidi!” he called out: “Sir! Do you want your money or my horse?”

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Willst du dein Geld oder mein Pferd? - H. v. Moltke (1835-39)

Der Kjerwan-Baschi erzählte mir heute Abend eine charakteristische Anekdote von einem Araber, welche ich schon in Orfa gehört hatte.
Ein türkischer Kavalleriegeneral, Dano-Pascha zu Mardin, stand schon seit langem in Unterhaltung mit einem arabischen Stamme wegen einer edlen Stute vom Geschlecht Meneghi; endlich vereinigte man sich zu dem Preise von 60 Beuteln oder nahe 2000 Thalern. Zur verabredeten Stunde trifft der Häuptling des Stammes mit seiner Stute im Hofe des Paschas ein; dieser versucht noch zu handeln, aber der Scheikh erwidert stolz, daß er nicht einen Para herablasse. Verdrießlich wirft der Türke ihm die Summe hin mit der Aeußerung, daß 30000 Piaster ein unerhörter Preis für ein Pferd sei. Der Araber blickt ihn schweigend an und bindet das Geld ganz ruhig in seinen weißen Mantel, dann steigt er in den Hof hinab, um Abschied von seinem Thiere zu nehmen; er spricht ihm arabische Worte ins Ohr, streicht ihm über Stirn und Augen, untersucht die Hufe und schreitet bedächtig und musternd rings um das aufmerksame Thier. Plötzlich schwingt er sich auf den nackten Rücken des Pferdes, welches augenblicklich vorwärts und zum Hofe hinausschießt.
In der Regel stehen hier die Pferde Tags und Nachts mit dem Palan oder Sattel aus Filzdecken. Jeder vornehme Mann hat wenigstens ein oder zwei Pferde im Stall bereit, die nur gezäumt zu werden brauchen, um sie zu besteigen; die Araber aber reiten ganz ohne Zaum, der Halfterstrick dient, um das Pferd anzuhalten, ein leiser Schlag mit der flachen Hand auf den Hals, es links oder rechts zu lenken. Es dauert denn auch nur wenige Augenblicke, so saßen die Agas des Paschas im Sattel und jagten dem Flüchtling nach.
Der unbeschlagene Huf des arabischen Rosses hatte noch nie ein Steinpflaster betreten, und mit Vorsicht eilte es den holprigen steilen Weg vom Schlosse hinunter. Die Türken hingegen galoppiren einen jähen Abhang mit scharfem Geröll hinab wie wir eine Sandhöhe hinan; die dünnen, ringförmigen, kalt geschmiedeten Eisen schützen den Huf vor jeder Beschädigung, und die Pferde, an solche Ritte gewöhnt, machen keinen falschen Tritt. Am Ausgang des Orts haben die Agas den Scheikh beinahe schon ereilt; aber jetzt sind sie in der Ebene, der Araber ist in seinem Elemente und jagt fort in gerader Richtung, denn hier hemmen weder Graben noch Hecken, weder Flüsse noch Berge seinen Lauf. Wie ein geübter Jockey, der beim Rennen führt, kommt es dem Scheikh darauf an, nicht so schnell, sondern so langsam wie möglich zu reiten; indem er beständig nach seinen Verfolgern umblickt, hält er sich in Schußweite von ihnen entfernt; dringen sie auf ihn ein, so beschleunigt er seine Bewegung; bleiben sie zurück; so verkürzt er die Gangart des Thieres; halten sie an; so reitet er Schritt. In dieser Art geht die Jagd fort, bis die glühende Sonnenscheibe sich gegen Abend senkt; da erst nimmt er alle Kräfte seines Rosses in Anspruch; er lehnt sich vorn über, stößt die Fersen in die Flanken des Thiers und schießt mit einem lauten ‚Jallah‘ davon. Der feste Rasen erdröhnt vom Stampfen der kräftigen Hufe, und bald zeigt nur noch eine Staubwolke den Verfolgern die Richtung an, in welcher der Araber entfloh.
Hier, wo die Sonnenscheibe fast senkrecht zum Horizont hinabsteigt, ist die Dämmerung äußerst kurz, und bald verdeckt die Nacht jede Spur des Flüchtlings. Die Türken, ohne Lebensmittel für sich, ohne Wasser für die Pferde, finden sich wohl zwölf oder fünfzehn Stunden von ihrer Heimath entfernt in einer ihnen ganz unbekannten Gegend. Was war zu thun? Als – umzukehren und dem erzürnten Herrn die unwillkommene Botschaft zu bringen, daß Roß und Reiter und Geld verloren. Erst am dritten Abend treffen sie halb todt vor Erschöpfung und Hunger, mit Pferden, die sich kaum noch schleppen, in Mardin wieder ein; ihnen bleibt nur der traurige Trost, über dieses neue Beispiel von Treuelosigkeit eines Arabers zu schimpfen, wobei sie genöthigt sind, dem Pferde des Verräthers alle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und einzugestehen, daß ein solches Thier nicht leicht zu theuer bezahlt werden kann.
Am folgenden Morgen, als eben der Imam zum Frühgebet ruft, hört der Pascha Hufschlag unter seinen Fenstern, und in den Hof reitet ganz harmlos unser Scheikh. „Sidi!“ ruft er hinauf: „Herr! Willst du dein Geld oder mein Pferd?“

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