_ASIL CUP
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_Das Schau(un)wesen oder: From War horse to Show Horse to No Horse?
Ein Pferd, dem Schweif und Mähne abgeschnitten, ein Hund mit gestutzten Ohren, ein Baum, dem man die mächtigen Zweige genommen und das übrige kugelförmig geschnitzelt hat, und über alles eine Jungfrau, deren Leib von Jugend auf durch Schnürbrüste verdorben und entstellt wurde, all dieses sind Dinge, von denen sich der gute Geschmack abwendet.
 J. W. v. Goethe (1827)

Wer ist nicht fasziniert von Schönheit, Ebenmaß und Anmut eines Geschöpfes? Aber immer mehr werden diese Faktoren zum Selbstzweck, zu Kriterien für die Vermarktung. Oft geht es nur noch um Laufstegschönheiten. Ob in der Fisch-, Geflügel-, Kaninchen-, Katzen-, Hunde- oder Rinderzucht, die Sucht nach dem Faktor Schönheit treibt seltsame Blüten. Diese Sucht bringt oft genug die Zucht auf Abwege. In der Araberszene gipfelt das Ganze im Schau(un)wesen, und dies in einem Ausmaß, daß manche ernsthaften Hippologen sich kopfschüttelnd abwenden.
Typ ist eine Wertung der Form in bezug auf die im Zuchtziel angestrebten Nutzleistungen. (Witt)

Dementsprechend finden wir bei anderen Leistungsdisziplinen die Materialprüfung, und damit hat es sich. In Abwandlung eines Ernst Jünger-Zitats kann man sagen: Die Laufstegschönheiten bei einer Mißwahl sind wie kalifornische Äpfel: sie sind wunderschön anzusehen, aber wenn man hineinbeißt, schmecken sie fade.

Daß der faszinierende Typ des arabischen Pferdes dazu verführt, die hervorstechenden Schönheiten miteinander bzw. gegeneinander antreten zu lassen, kann man nachvollziehen. Nicht nachvollziehen aber kann man, daß diese Zielsetzung zum Selbstzweck wird. Es wird nur noch auf den Faktor Schönheit gezüchtet. Wenn wir den Typ aber auch als Adel verstehen, dann sollten wir uns klar machen: Adel bedeutet in erster Linie die geglückte Vereinigung von Charakter, Leistungsbereitschaft, Geschlechtstyp. Die Beduinen haben vor allem Leistungspferde gezüchtet. Diese Leistungspferde zeichneten sich durch den denkbar besten Charakter und eine hohe Intelligenz aus. Das war oft genug auch am Kopf des jeweiligen Pferdes abzulesen. Das konkave Nasenbein, das die Kopfjäger heute so sehr besticht, war bei den Beduinen nie oder nur selten ein Kriterium.

In Kenntnis dieser Tatsachen hat sich der Asil Club erst spät (1985) entschlossen, mit dem Asil Cup International eine eigene Veranstaltung durchzuführen. Diese war von vornherein darauf angelegt, dank einer möglichst großen Palette von Leistungsdisziplinen dem arabischen Pferd weitgehend gerecht zu werden, also durch Einbeziehung von Distanzritt, Dressurreiten, Hoher Schule sowie der Präsentation anderer Pferderassen, die durch den Asil Araber entstanden sind oder verbessert wurden. Der häufige Ortswechsel und die Vielfalt des Gebotenen bis hin zu der Kunstausstellung mit Bildern und Skulpturen zum arabischen Pferd sollten nicht nur die Insider, sondern ein breites Publikum für den Asil Araber begeistern. Wenn man so will, haben wir aus der Not eine Tugend gemacht, und wir sind nicht wenig stolz, daß der Asil Cup International herausragt aus der Vielzahl anderer Araberschauen, nicht nur dank seiner Elitepferde, sondern auch dank der Veranstaltung selbst, von der man sagt, sie sei auch ein gesellschaftliches Ereignis.

Im folgenden Kapitel werden wir weitere Argumente anführen, die uns ins Bewußtsein rufen: So und nicht anders sollten wir die Araberszene sehen, sollten die Auswüchse, wie sie insbesondere in den USA um sich gegriffen hatten und die zum Teil an Tierquälerei und Betrugsmanöver grenzten, ahnden, sollten das Vorstellen der Pferde nicht ausschließlich den Profis überlassen, sondern auch den Besitzern die Freude und die Chance geben, ihre eigenen Pferde mit Erfolg vorzuführen.

Oft reagiert das Publikum bei Araberschauen hingerissen angesichts der übertriebenen Trabaktion. Ein jeder Araber neigt dazu, auch einmal im Stolztrab zu glänzen. Der Überbewertung dieser Gangart aber, die von den Beduinen am wenigsten geschätzt und geritten wurde, sollte unbedingt entgegengewirkt werden, erst recht, weil es bei den Vollblutarabern Zuchtpopulationen gibt, die aufgrund ihrer Fremdbluteinflüsse solche Trabaktionen auf unnatürliche, exaltierte Weise zeigen. Auch hier sollten wir einschreiten, wenn Pferde manipuliert oder nur künstlich erregt werden.

Schon vor einem Jahrtausend erkannte einer der größten arabischen Dichter:
Wenn du nur auf die Schönheit des Pferdes achtest, wirst Du niemals seinen wahren Wert ermessen.
Al Mutanabbi (Abu at Tayyib) 915-965 n. Chr.

 W. Georg Olms (1999)


Sie sind weder schön noch groß, aber behend zu laufen, und werden bloß ihrer Tugenden und ihres Geschlechtes, nicht ihres äußerlichen Aussehens wegen, von den Arabern so hoch geschätzt. Sie werden auch gar nicht zu gemeinen Arbeiten, sondern bloß zum Reiten gebraucht.

C. Niebuhr (1772)


Die Grundsätze und Regeln, welche die Araber bei der Wahl ihrer Zuchtpferde von edler Art beobachten, sind von den unsrigen verschieden. Wir sehen bei der Wahl unserer Zuchtpferde gewöhnlich zuerst auf Schönheit, und dann erst auf gute Eigenschaften; bei den Arabern ist dieß gerade umgekehrt. Man ersieht dieß vornämlich aus der Art, wie sie für ihre Stuten die Beschäler auswählen. So oft sie nämlich unter mehreren Hengsten von gleicher Abkunft (oder gleichem Adel) die Wahl haben, geben sie allemal demjenigen den Vorzug, welcher die größte Schnelligkeit besitzt, und die meiste Stärke und Ausdauer zeigt. Die Schönheit des Körperbaus kommt dabei weit weniger in Betracht, und wird gleichsam nur als Nebensache angesehen; doch halten sie (wie Arvieux sagt) auf einen fehlerfreien Bau.

K. W. Ammon (1834)

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Textsource: Asil Arabians V - The noble arabian horses (Olms Verlag 2000)
Textquelle: Asil Araber V - Arabiens edle Pferde (Olms Verlag 2000)