_DER ASIL ARABER - Fantasia, Reiterspiele, Polo
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Henri Lalaisse, Exercice du Djérid
Von Interesse dürfte für den Leser sein, etwas über das Dscherid-Spiel bzw. die Fantasia zu erfahren. Sie dienten den Beduinen als Training für Reiter und Pferd, um die notwendige Kondition und die Wendigkeit bei Jagd und Raubzug zu erwerben. Die Spiele sehen gelegentlich halsbrecherisch aus, sind aber nicht gefährlicher als zum Beispiel der Polosport oder eine Military. Noch heute werden in Ländern des Nahen und des Mittleren Ostens sowie Nordafrikas traditionelle Reiterspiele veranstaltet.

W. Georg Olms (1999)

_H. v. Moltke (1835 – 39)
Die Araber, den weißen Mantel über die linke Schulter geworfen, den Dscherid hoch in der Rechten, tummeln da ihre kleinen mageren Stuten zwischen den schön gewarteten, reich gezäumten Rossen der Türken, welche, nach der prächtigen Art gekleidet, mit ihren Turbanen und roten, blauen und gelben Gewändern einen höchst stattlichen Aufzug machen. Der Platz ist freilich, wie man sich ihn bei uns nicht aussuchen würde, um Pferde darauf zu führen, denn er ist mit Stein und Geröll ganz überdeckt; aber man kann nicht rücksichtsloser reiten als diese Leute, und wenn man sie in der gestreckten Karriere hinfliegen, das Pferd in kleinen Volten plötzlich herumwerfen oder kurz parieren sieht, so sollte man nicht denken, daß das Tier oft das halbe oder ganze Vermögen des Reiters ausmacht. Die Gesellschaft teilt sich ohne weitere Anordnung in zwei Parteien, eine der anderen gegenüber; wer will, sprengt hervor, sobald er umdreht, jagt ihm ein anderer nach, sucht ihn einzuholen und schleudert, hoch in den kurzen Bügeln aufgerichtet, den Dscherid mit aller Gewalt ihm nach. Der Dscherid ist ein Wurfspieß, dem die Spitze fehlt, ein drei Fuß langer Stock, der fingerdick, auch wohl etwas dicker ist; es gibt daher oft tüchtige Püffe, von einem Unglück aber hört man fast nie. Obwohl man stets nur im Verfolgen wirft, so wird die Gefahr, das Auge des Gegners zu treffen, dadurch nicht ganz beseitigt, denn der Verfolgte sieht sich um, dem Wurf auszuweichen oder den Dscherid mit der Hand seitwärts zu schleudern; viele fangen den Stab und schicken ihn ihrem Verfolger zurück. Die Pferde scheinen ein ebenso großes Vergnügen an diesem Spiele zu nehmen als der Reiter; da ich ein Pferd des Paschas ritt, welches ich noch nicht kannte, so nahm ich Abstand, mich in die Melee zu mischen, das Tier stampfte und wieherte, und als ich ihm die Zügel schießen ließ, zeigte es sich doch so folgsam gegen Zügel und Schenkel, daß der schlechteste Reiter mit Ehren hätte bestehen können.
Ch. Aubry, Mameluck, Equitation Orientale
_J. Mazoillier (1853)

J.H. Clark, Mameluckes Exercising the Sabre
Ich selbst bin Zeuge eines eigenthümlichen Vorfalls gewesen. Ich befand mich bei Ali-Bey, dem Pascha von Tripolis, und wohnte als Zuschauer dem Djerid-Spiel bei, zu welchem Chedid-Bey, des Paschas Bruder, einen Hengst desselben von der Race Em-Arkoub ritt. – Als beim Spiele die Reihe an Chedid kam, schleuderte er seinen Djerid, fehlte aber seinen Gegner. Sofort stürzte der Hengst vorwärts, hob sich auf seinen Hinterfüßen und hieb mit seinen Vorderfüßen den Gegner halb todt vom Pferde.
Chedid war untröstlich, zumal sein Gegner eine angesehene Person war, und klagte seinem Bruder sein Erlebniß. Ali-Bey theilte ihm hierauf mit, daß es einmal die Art des Pferdes sei, das Ziel zu erreichen, wenn sein Herr es gefehlt habe, und daß man es nur dadurch daran hindern könne, wenn man es sofort zur Seite würfe.
Ich würde kein Ende finden, wollte ich alle die außergewöhnlichen Geschichten mittheilen, die man sich im Orient erzählt. Ich glaube, in dem Vorstehenden genügende Beweise für die außerordentliche Entwicklung des Verstandes der Race-Pferde gegeben zu haben, und will nur noch bemerken, daß sich diese Eigenschaften nur bei Pferden edler Race finden.
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Textsource: Asil Arabians V - The noble arabian horses (Olms Verlag 2000)
Textquelle: Asil Araber V - Arabiens edle Pferde (Olms Verlag 2000)